Landtagsabgeordnete Groß auf den Spuren unserer Industriegeschichte - Ton genialster Rohstoff

Es ist eine der traditionsreichsten Branchen des Westerwalds: „Der Ton gehört zum Westerwald – in unserer Region sind die größten Tonvorkommen Europas gefunden worden, hier kommt das Westerwälder Steinzeug her, hier wurde die Ton- und Keramikindustrie weit über die Grenzen hinaus bekannt“, betonte die Landtagsabgeordnete Jenny Groß stolz. „Dieses Bewusstsein sollte in der Bevölkerung erhalten werden“, findet auch Dr. Matthias Schlotmann vom Bundesverband Keramische Rohstoffe und Industrieminerale e.V., der die Landtagsabgeordnete gemeinsam mit den Verantwortlichen der Tongrube Pfeul empfing. Unter anderem Michael Klaas (Geschäftsführer von Sibelco Deutschland), Dr. Withold Groborz (technischer Leiter) und Stefan Nickel (Standortleiter). Allesamt brennen im wahrsten Sinne des Wortes für ihren Beruf. So auch zu spüren bei Geschäftsführer Klaas, der Ton als den „genialsten Rohstoff, den es gibt“ bezeichnete. „Und mit einigen Millionen von Jahren auf dem Buckel.“ Er begegnet uns im Alltag immer wieder, ob offensichtlich in Töpferware, Keramik und Baumaterial. Oder unscheinbar in der Industrie, beispielsweise in der Papierindustrie sowie der Medizin und vielem mehr. Doch bevor es zur Führung und Vertiefung in die Thematik kam, wurde von Standortleiter Nickel eine Sicherheitsunterweisung durchgeführt, denn ein Aspekt ist von größter Bedeutung: die Arbeitssicherheit.

„Etwa 300 Mitarbeiter arbeiten in fünf Geschäftsbereichen bei der Sibelco Deutschland. 20 aktive Gruben in der Eifel, der Pfalz, in Hessen und dem Westerwald betreibt das Unternehmen“, erläuterte der Geschäftsführer Deutschland. Dabei versteht es sich als globales Rohstoffunternehmen mit weltweit 6.000 Mitarbeitern, davon 4.000 in Europa. „Es ist schön, in so einem weltweit aufgestellten Unternehmen mit internationalen Kontakten und vielen unterschiedlichen Kulturen arbeiten zu dürfen“, findet der Deutschlandchef. „Sie sind im Tonbergbau ein ausgezeichneter und traditionsreicher Arbeitgeber, es ist wichtig, dass die künftigen Generationen auch hier in diesem auch sehr technisierten Beruf ihre Zukunft sehen. Das Werben für Ton und die zahlreichen Berufsmöglichkeiten ist daher umso wichtiger,“ betonte Jenny Groß MdL. Auf die Nachwuchsfrage antwortete Verbandsgeschäftsführer Schlotmann: „Die Voraussetzungen sind gut im Westerwald. Hier ist alles zusammen, von der Rohstoffgewinnung, über die Verarbeitung bis hin zum Vertrieb. Zudem spielen die Forschung und Entwicklung eine zentrale Rolle. Dies hat uns in der Geschichte immer einen Wettbewerbsvorteil verschafft.“ Ergänzend dazu führte der technische Leiter Dr. Groborz aus: „Wir bilden selbst. viel aus. Auf dem Markt jemanden fertig zu bekommen, ist sehr schwierig.“ Doch dieser vermeintlich „schmutzige“ Berufe in der Grube hat auch seine Reize, denn die Angestellten bedienen High-End-Baumaschinen, die zwischen 300.000 und 500.000 Euro im Einstandspreis kosten. „Es ist ein langjähriger Prozess, bis Mitarbeiter fit sind. Daher erwarten wir, dass sie wissbegierig sind und lange an Bord bleiben!“, betonte Dr. Groborz. Und so arbeiten viele dieser Herren seit mehr als einem Jahrzehnt, oft seit dem Start ihrer beruflichen Laufbahn, in der keramischen Industrie. 1,2 Millionen Tonnen Abbau im Westerwald und witterungsbedingt zwischen 4.500 – 5.000 Tonnen Ton am Tag. Diese Zahlen wären nicht ohne qualifizierte Mitarbeiter zu erwirtschaften. Und dabei wird auch auf energieeffizientes Arbeiten und ökologische Aspekte viel Wert gelegt. „Heute bauen wir die 220.000 Tonnen am Standort Pfeul mit deutlich geringerem Dieselverbrauch im Jahr ab. Vor zehn Jahren waren es noch ca. 30% mehr!“, so Standortleiter Stefan Nickel. Dabei sind ökologische Aspekte von großer Bedeutung und das Unternehmen steht in enger Verbindung zu den verantwortlichen Behörden. Die Renaturierung wird immer im Auge behalten. Auf Teilen der alten Pfeul sieht man heute beispielsweise wieder junge Bäume wachsen. „Es ist wichtig, dass Wirtschaft und Ökologie hier im Tonabbau keine Gegensätze sind,“ sagt die Abgeordnete. „Die Genehmigungsverfahren könnten etwas schneller laufen“, wünscht sich Geschäftsführer Klaas. Doch auch in besonderen Situationen, wie der Corona-Pandemie, ist das Unternehmen gut strukturiert. „Wir haben bis heute keine Kurzarbeit anmelden müssen!“, stellte der Geschäftsführer heraus. „Die Stundenkonten haben wir auf null gefahren und wir kommen jetzt in die Urlaubszeit“, führte Klass weiter aus.

„Wir wollen das nicht sofort auf dem Rücken der Mitarbeiter austragen, auch wenn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als 10% Umsatzeinbußen zu verzeichnen sind.“ Im Vergleich zu einem Branchenrückgang in Höhe von 38%, ist man allerdings in der Pfeul noch gut unterwegs.

„Ein toller Arbeitgeber! Hier hat Tradition Zukunft und wir müssen uns auf allen Ebenen auch dafür einsetzen, dass das Verladen mit der Bahn deutlich verbessert wird, sodass die Logistik hier noch effizienter arbeiten kann“, wie Jenny Groß am Ende des Besuches mit feststellte und sich für den kurzweiligen Besuch und das Gespräch bedankte.